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Dominikanerkloster Prenzlau Persönliche Ausstattung, Arbeitsutensilien

Persönliche Ausstattung, Arbeitsutensilien

Die persönliche Ausstattung der Nonnen unterlag strengen Regeln und war dem Armutsideal verpflichtet. Soweit ersichtlich, haben sich die Seehausener Klosterfrauen daran gehalten. Gewandspangen, Ringe, Nadeln sind ausschließlich aus unedlen Metallen gefertigt. Das gilt auch für Buchschließen und -beschläge sowie für die kleinen Pressbleche, die dem Besatz liturgischer Textilien dienten.

Objekte: Ringe, Fingerhüte, Schere, Schlegel, Griffel, Ledersohlen, Petschaft, Metallschalen, Schlüssel, Schlösser

[ 23 Objects ]

Spinnwirtel

Über 80 Spinnwirtel aus dem 13.-16. Jahrhundert sind bei den Grabungen und Unterwasseruntersuchungen auf dem Klosterareal in Seehausen gefunden worden. Sie dienten bei der Fadenherstellung als Gewicht am Spindelstab. Je nach gewünschter Fadenstärke bzw. je nach Ausgangsmaterial wurden unterschiedlich große und schwere Wirtel benutzt. Der Großteil der Spinnwirtel aus Seehausen wurde aus Ton gefertigt, Irdenware oder Steinzeug. Glasur ist selten. Wenige Spinnwirtel bestehen aus Bleilegierungen.
Auf vier Wirteln sind Linien, Zeichen oder Buchstaben eingeritzt. Diese dürften der Markierung von persönlichem Besitz gedient haben.
Viele Weitere, der in Seehausen geborgenen Objekte des täglichen Gebrauchs, tragen Markierungen in Form von eingeritzten Buchstaben und Zeichen.

Spinnwirtel

Buchschließen

Auf dem ehemaligen Klostergelände in Seehausen wurden 35 Buchschließen unterschiedlicher Konstruktionsformen geborgen.

Buchschließen

Schlüssel und Steckschlösser

Über 100 Schlüssel und Schlösser wurden im Uferbereich des ehemaligen Klostergeländes gefunden. Sie dienten vormals zum Verschließen von Truhen und Schreinen und belegen ein Schutzbedürfnis für die geistigen und materiellen Objekte der Klosterinsassinnen.
Die hier abgebildeten Bartschlüssel in unterschiedlichen Formen stammen aus dem 15./16. Jahrhundert. Der Steckschlüssel mit profiliertem Dorn ist zeitlich in das 14./15. Jahrhundert einzuordnen.
Die Vorhängeschlösser bestehen aus dem Schlosskörper und einem beweglichen durch Blattfedern gehaltenen Bügel. Ihr Mechanismus funktioniert als Steckschloss, durch das Einschieben des Schlüssels in das Schloss wurden die Blattfedern zusammengedrückt und lösten den Bügel.

Schlüssel und Steckschlösser

Gürtel- und Gewandschnallen

Mehr als 80 Schnallenrahmen und -fragmente wurden aus dem Wasserbereich und bei den Landgrabungen auf dem ehemaligen Klostergelände in Seehausen geborgen. Das Formenspektrum variiert zwischen rund, D-förmig, rechteckig und quadratisch, auch Passformen und Doppelschnallen sind vorhanden. Die im Durchmesser 1, 4 bis 8 cm großen Schnallen wurden aus unterschiedlichen Materialien gefertigt und weisen verschiedenste Verzierungen auf. Auch Schnallen vom sogenannten Typ des "Hanttruvebratzens" (Handtreuebrosche) sind in der Sammlung vertreten. Diese kleinen runden Schnallen erhielt ihre Bezeichnung von den darauf dargestellten zwei Handpaaren, die ineinander greifen. Solche Schnallen gelten als Versinnbildlichung eines Verlöbnisses und dienten auch als Brautgeschenk. Im klösterlichen Bereich wird auf die symbolische Vermählung mit Christus Bezug genommen. Auf dem ehemaligen Klostergelände konnten 10 Schnallen dieses Typs geborgen werden, die im Durchschnitt 2,1 bis 2,4 cm breit sind. Die abgebildete Schnalle hat einen Durchmesser von 2,3 cm.

Gürtel- und Gewandschnallen

Bügelschere mit floraler Reliefverzierung

Beide Schneiden dieser Bügelschere sind mit einem floralen Dekor aus Buntmetall verziert. Der omegaförmige Bügel, der die beiden Schneiden federnd miteinander verband, ist gebrochen. Aufgrund der Größe und kunstfertigen Ausarbeitung dieser Schere ist anzunehmen, dass sie zum Schneiden von Tuchen oder zum Schneiden der Körperbehaarung benutzt wurde.

Bügelschere mit floraler Reliefverzierung

Messingschalen/- schüsseln mit sternförmiger Ritzverzierung

Unter den insgesamt 20 getriebenen Buntmetallschalen (Dm. von 15,5 bis 21,0 cm), die auf dem Klosterareal und v.a. im Uferbereich des Oberuckersees geborgen wurden, befinden sich drei Exemplare, die auf der Innenseite des Bodens eine einfache sternförmige Ritzverzierung aufweisen. Das sternförmige Dekor der abgebildeten steilwandigen Schale ist nur schwach erkennbar. Die Verwendungsmöglichkeiten dieser Schalen waren vielfältig, vermutlich aber wurden sie als Schöpf- oder Auffanggeräte bei der persönlichen Körperhygiene genutzt.

Messingschalen/- schüsseln mit sternförmiger Ritzverzierung

Messingschale/- schüssel

Insgesamt 20 Buntmetallschalen mit einem Durchmesser von 15,5 bis 21,0 cm wurden auf dem Klosterareal und v.a. im Uferbereich des Oberuckersees gefunden. Das hier abgebildete getriebene Schälchen hat einen leicht konvex gewölbten Boden und eine leicht steil ansteigende Wandung.
Diese kleineren Schalen können vielfältig verwendet worden sein. Vermutlich wurden sie aber als Schöpf- oder Auffanggeräte bei der persönlichen Körperhygiene genutzt.

Messingschale/- schüssel

Petschaft der Familie von Oldenflieth

Dieses runde Petschaft aus Bronze gehörte einst einem Mitglied der Familie von Oldenflieth. Im zentralen Wappenschild führt es drei Herzen. Die Umschrift des umlaufenden Schriftbandes lautet: «+Shen[?]: Eggherd: oldenvlet». Aus einer schriftlichen Quelle von 1416 ist ein «Eghert» von Oldenflieth aus der Umgegend von Seehausen bekannt. Die charakteristische Form des sich im oberen Bereich verjüngenden Wappens, würde zeitlich ebenfalls in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts einzuordnen sein.
Die Öse auf der Rückseite dieses Petschafts wurde angelötet.

Petschaft der Familie von Oldenflieth

Stecknadeln und Nähnadeln

Zum Fundus der aus Seehausen geborgenen Gegenstände gehören viele hundert Stecknadeln. Diese wurden aus Messingdraht hergestellt. Die Köpfe sind entweder spiralig aufgedreht oder kugelförmig.
Die Verwendungsmöglichkeiten waren vielfältig. Zum einen waren sie beim Nähen unentbehrlich, dienten aber auch zur Befestigung von Gewändern und Kopftüchern oder zur Fixierung von Zierrat.
Im Verhältnis zu der großen Menge an Stecknadeln sind hingegen nur wenige Exemplare von Nähnadeln erhalten bzw. gefunden worden.

Stecknadeln und Nähnadeln

Riemenzunge

Zahlreiche Riemenzungen und Gürtelschnallen wurden aus dem Wasserbereich und bei den Landgrabungen gefunden. Diese prachtvoll gestaltete Riemenzunge gehört zu einem der besonderen Exemplare der Sammlung. Sie zierte vormals das Ende eines ledernen Gürtels.

Riemenzunge

Schuhsohle und Schuhoberleder

Lederne Sohlen sowie die Oberleder von Schuhen gehören zu den Funden, die im Uferbereich am ehemaligen Kloster in Seehausen geborgen wurden. Das hier abgebildete Oberleder, sowie die größere der beiden Sohlen gehörten einst zu einem Schuh eines erwachsenen Menschen. Die kleine Sohle gehörte zu einem Kinderschuh.
An beiden Sohlen sind am äußeren Rand die Nahtlöcher, die vor dem Zusammennähen mit dem Oberleder mit einer Ahle eingebohrt wurden, zu sehen. Die Farbe der aus starkem Leder gefertigten Sohlen ist hell- bis mittelbraun.
Etwa ein Drittel des dunkelbraunen Oberleders ist nicht mehr vorhanden.
An der Stelle, die den Fußspann bedecken sollte, sind drei in etwa fingerbreite Streifen ausgespart. Der Schaft des Schuhs war in etwa knöchelhoch.

Schuhsohle und Schuhoberleder

Petschaft der Familie von Schwaneberg

Dieses runde Petschaft aus Blei stammte einst aus dem Besitz der Familie von Schwaneberg. Das zentrale Wappenschild führt einen schreitenden Schwan mit gerecktem Hals und ausgebreiteten Flügeln. Die teilweise wie eine Abbreviatur (Abkürzung) wirkende Umschrift des am äußeren Rand verlaufenden Schriftbandes besteht aus gotischen Majuskeln: «.SWANE[?] BGS. VRYTTZH». Vermutlich gehörte dieses Petschaft Fritz von Schwaneberg, welcher 1373 in einer Urkunde genannt wurde (Riedel 1862, 511f.). Auch vom Stil her könnten das Wappen und die Umschrift in diese Zeit passen. Auf der Rückseite befindet sich eine Öse, die dem Bleirohling mit angegossen wurde

Petschaft der Familie von Schwaneberg

Gelenkschere

Diese Schere ist eine der wenigen bei den Untersuchungen des Klostergeländes in Seehausen geborgenen Gelenkscheren. Im Gegensatz zur Bügelschere sind die zwei Arme der Gelenkschere mit einem Niet als Drehpunkt miteinander verbunden. Die Fingerringe sind geschlossen.
Dieser Scherentyp wurde zum Hausgebrauch, vor allem für die Textilverarbeitung, verwendet.

Gelenkschere

Griffel

Diese Griffel dienten zum Einkratzen von Texten in Schreibtafeln mit Wachsbeschichtung. Mit dem verbreiterten Ende, dem sogenannten Glättkopf, konnte das Wachs wieder glatt gezogen werden. Die auf dem ehemaligen Klostergelände geborgenen Griffel aus Knochen, Eisen und Metalllegierungen wurden bis auf eine Ausnahme als schlichte Schreibutensilien aus einem Stück gefertigt. Sie haben einen rundlichen Querschnitt mit einem Durchmesser von 0,4 bis 0,6 cm.

Griffel

Hölzerner Schlegel zum Wäscheklopfen mit eingravierten Initialen

Auf dem Griff dieses aus einem Stück Eichenholz gefertigten Wäscheschlegels befinden sich drei in gotischen Majuskeln eingeritzte Buchstaben, die der Eigentumsmarkierung dienten. Unter den in Seehausen geborgenen Objekten des alltäglichen Gebrauchs befinden sich viele weitere, die mit Eigentumsmarkierungen versehen sind.

Hölzerner Schlegel zum Wäscheklopfen mit eingravierten Initialen

Truhenbeschläge

Die in Fragmenten erhaltenen Beschlagstreifen mit kleeblattförmigen Enden waren einst an einer hölzernen Truhe angebracht.

Truhenbeschläge

Münzen

Mehr als 60 Münzen wurden bei den Untersuchungen des ehemaligen Klostergeländes in Seehausen gefunden. Die hier abgebildeten Kleinmünzen stammen aus dem 15. Jh. 1. Reihe Pommersche Denare: Stettin, Demmin, Stargard 2.Reihe Vierchen: Brandenburg, Pommern-Stettin, Pommern-Garz 3. Reihe Hohlpfennige: Rostock, Stolpe, Lübeck.

Münzen

Fingerhüte

Ungefähr 20 Fingerhüte unterschiedlicher Formen und Größen sind bei den Ausgrabungen und im Uferbereich des Klostergeländes gefunden worden. Außen weisen die Fingerhüte rundliche Vertiefungen, die sogenannte Lochung auf, die das Abrutschen der Nähnadel verhindern sollen. Die Formen variieren von kegelstumpfförmig bis zylindrisch mit runden oder abgeflachten Kappen.

Fingerhüte

Petschaft der Familie von Blankenburg

Dieses runde Petschaft aus Blei trägt das Wappenschild der Familie von Blankenburg. Im zentralen Wappenschild ist der Kopf eines stilisierten Widders oder Steinbocks abgebildet. In der Umschrift ist auf dem umlaufenden Schriftband am Außenrand der Name des ehemaligen Besitzers «hasse van blankenbourg» in spätgotischen Minuskeln zu lesen. Vermutlich ist dieses Siegel dem Hasse von Blankenburg zuzuordnen, welcher um die Mitte des 15. Jahrhunderts seinen Stammsitz auf der Burg Zichow in relativer Nähe zum Kloster Seehausen hatte. Auf der Rückseite befindet sich eine Öse, die dem Bleirohling mit angegossen wurde.

Petschaft der Familie von Blankenburg

Ringe

Mehrere Ringe wurden bei den Ausgrabungen und Untersuchungen des Uferbereichs auf dem ehemaligen Klostergelände in Seehausen gefunden. Die abgebildeten Objekte zeigen religiöse Motive und Inschriften.
Neben diesen Ringen fanden sich auch weitere Schmuckgegenstände (Ketten, Anhänger, Schnallen, Gürtelzubehör) die von individueller Frömmigkeit und persönlichem Besitz zeugen. Diese Ringe wurden aus einfachen, für ein Nonnenkloster zulässigen, Materialien wie bspw. Messing gefertigt.

Ringe

Buchkette

Diese Buchkette besteht aus 16 Kettengliedern. Buchketten dienten der Befestigung von Büchern an Lesepulten.

Buchkette

Warenplomben

Die in Seehausen gefundenen Plomben tragen mit dem Schlagstempel eingeprägte Zeichen, wie beispielsweise Wappen, einzelne Buchstaben oder umlaufende Schriftzüge. Die Bleiplomben dienten als Qualitäts- und Herkunftsnachweis einer Ware und sollten eine Manipulation am versiegelten Produkt verhindern. Im Idealfall ermöglichen Plomben Rückschlüsse auf die Warenbewegungen und Handelsströme.

Warenplomben

Gnidelstein

Glättsteine, auch „Gnidelsteine“ genannt, bestehen aus kompakter Glasmasse, die Oberseite ist flach kugelig, Unterseite leicht eingezogen mit Abrissspuren. Das Seehausener Stück hat eine korrodierte Oberfläche. Objekte dieser Art dienten wahrscheinlich zum Glätten von Gewebe. Gnidelsteine wurden in unserer Region seit dem 12./13. Jh. hergestellt und unverändert über Jahrhunderte produziert.

Gnidelstein