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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Möbel [HM 2701 = IV 424]

Armlehnstuhl aus der Elfenbeingarnitur des Johann Moritz von Nassau-Siegen

Brasilien: Elfenbeinlehnstuhl, um 1640, IV 424. (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg / Pfauder, Wolfgang (CC BY-NC-SA)

Description

Der Armlehnstuhl aus afrikanischem Elfenbein gehörte einst zu einer vollständigen Zimmerausstattung, die Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620–1688) 1652 von Johann Moritz Fürst von Nassau-Siegen (1604–1679) erwarb. Heute existieren nur noch wenige Möbelstücke aus der Sammlung des Kurfürsten, was den einzigartigen Charakter der Garnitur hervorhebt. Das ursprüngliche Ensemble umfasste einen Tisch, eine Bank, zwei Armlehnstühle mit jeweils einem Hocker, zwei Spiegelrahmen, zwei Guéridons (auf denen Leuchter standen), einen Kronleuchter, einen Kabinettschrank sowie einen Mörser mit Stampfer.

Die Entstehungsgeschichte dieser Garnitur beginnt in Brasilien. Johann Moritz verwaltete dort ab 1637 die Besitzungen der Niederländischen Westindien-Kompanie, wo er die von Sklavenarbeit abhängige Zuckerindustrie wiederbelebte. Mit den daraus resultierenden Gewinnen pflegte er sein Interesse für Kunst und Natur. 1644 brachte Johann Moritz einen Großteil der Möbel dieses Ensembles sowie „alderhande stukn“ (allerhand Stücke) Elfenbein aus Brasilien nach Europa. Aus dem Elfenbein ließ er die Zimmerausstattung komplettieren und präsentierte sie in seiner Residenz, genannt Mauritshuis, in Den Haag. Eine Inventarliste bestätigt, dass der Armlehnstuhl bereits in Brasilien entstanden war.

Vom Typus eines Faltstuhles mit S-förmigen Beinen, die überkreuz zu den Armlehnen hochführen, ähnelt das Möbel südeuropäischen Beispielen, wie der sogenannte Sillón de cadera. Die Vermutung liegt daher nahe, dass bereits in Brasilien ansässige portugiesische Künstler den Armlehnstuhl schufen. Die Beine stehen auf Löwenfüßen und im Kreuzungspunkt findet sich das Medaillon mit den Initialen von Johann Moritz. Blumenmotive zieren die geschnitzten Arkaden der Rückenlehne. Eine Abbildung des Stuhls von 1934 zeigt Fruchtgirlanden in der heute nicht mehr existierenden Bekrönung. Dort befand sich das Wappen von Johann Moritz, auf dessen Rückseite das Datum 1639 und 1640 verzeichnet war, ein Hinweis auf die Datierungen des Möbels.

Für die Elfenbeinmöbel sowie andere Kunstwerke, Waffen und Bücher bekam Johann Moritz Ländereien in Kleve im Wert von 50.000 Talern. Der Kurfürst hatte seinen Vertrauten Johann Moritz bereits 1647 zum Statthalter des Herzogtums Kleve und der Grafschaften Mark und Ravensberg ernannt. Die wertvolle Garnitur kam nach Berlin und wurde 1669 durch den Reisebericht des französischen Schriftstellers und Hofmeisters Samuel Chappuzeau (1625–1701) bekannt, nach der sie im dritten Kabinett des Berliner Schlosses stand. 1689 kamen sie aus der kurfürstlichen Gemäldegalerie in die Berliner Kunstkammer. Nach dem Inventarverzeichnis des Berliner Schlosses von 1702 stand ein Großteil der Zimmerausstattung bereits in einem anderen Raum, der sich neben der alten „Königs-Geheimbte Rath-Stube“ befand. Etliche Erwähnungen und Auflistungen in Inventaren belegen, dass die Garnitur bereits im 19. Jahrhundert nicht mehr vollständig war. Die Bank, die beiden Armlehnstühle, Hocker, Guéridons, Spiegel und der Tisch gelangten 1876/77 in das Hohenzollernmuseum im Schloss Monbijou. Vor ihrer Auslagerung nach Schloss Molsdorf standen diese Möbelstücke 1944 noch gemeinsam in der Berliner Gruft zum Schutz vor Kriegseinwirkungen. Nach Kriegsende wurde der Armlehnstuhl in Potsdam im Grottensaal des Neuen Palais ausgestellt. Dank der Auffindung einiger Stücke in Schloss Arnstadt vor wenigen Jahren, stehen erstmalig wieder alle noch bekannten Möbel dieser Garnitur zusammen im Schlossmuseum Oranienburg.

Carolin Alff

Material/Technique

Elfenbein

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Literature

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Object from: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft...

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